Endlich mal kein Plan für die Schublade

 

Der Stadtrat hat bereits die Generalsanierung und Modernisierung des Haus des Gastes unter Zugrundlegung von Kosten in Höhe von 1,35 Mio. Euro beschlossen. Freistaat, Bezirk Oberbayern und Denkmalschutz tragen den Großteil der Sanierungskosten, insgesamt ist eine Summe von 820 000 Euro zugesagt. Im Laufe von über 10 Jahren wurden bereits mehrere Planungsvarianten erarbeitet. Nun soll mit der Realisierung der Erdgeschoss-sanierung, vor allem des Touristkbüros als dringlichste Maßnahme, noch in diesem Herbst 2013 begonnen werden. Mit überwältigender Mehrheit erteilte der Stadtrat dem Architekten Norbert Häßlein in der Sitzung vom 18. April den Auftrag dazu.

 
Beilngries (DK) 11.05.2013. Aus dem Gesichtsausdruck von Norbert Häßlein ist viel abzulesen. Manchmal kann der Architekt nur den Kopf schütteln. Etwa, wenn er die Glastüren im ersten Stock betrachtet und an den Brandschutz denkt. Aber auch, wenn er von außen einen Blick auf die Fenster wirft. Keine Frage, am Haus des Gastes besteht Sanierungsbedarf.
Und zwar dringender. Ohne Sanierung hätte das Landratsamt die Veranstaltungssäle dicht gemacht, ist sich Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht (BL/FW) sicher. Sie sieht die Entscheidung, das Haus des Gastes zu sanieren, als „eine gute Gelegenheit, sich zu freuen“. Sie stellt klar, dass die Stadt die 1,35 Millionen Euro teure Maßnahme nicht angehe, weil es Zuschüsse gibt. Diese erst würden die Kommune in die Lage versetzen, das Projekt „einigermaßen zu stemmen“, beschreibt die Rathauschefin die Situation und unterstreicht: „Wir können das packen.“
Architekt Norbert Häßlein ist seit gut sechs Jahren mit dem Haus des Gastes vertraut und hat ganze Aktenordner voller Daten und Pläne über den ehemaligen Getreidespeicher im Regal stehen. Zwischen 25 und „gefühlt“ 30 Mal, so schätzt er, sei er schon im Haus des Gastes gewesen. Er erinnert sich daran, dass er bei den ersten Besuchen „eher erschrocken“ sei. Er sieht vor allem zwei Bereiche, denen viel Aufmerksamkeit gebührt: „Der Energiegeschichte“, sagt der Lichtenauer, und dem Brandschutz. Das Gebäude habe mit eindringender Feuchtigkeit zu kämpfen. „Die nimmt man innen auch wahr“, sagt er im Tourismusbüro, das im Erdgeschoss untergebracht ist. Auf einer Seite seien sogar die Zuleitungen eines Heizkörpers im Erdreich verlegt worden. „Und die sind verrottet“, sagt der Fachmann, der mit jedem Tourismusamtsleiter ein neues Konzept erarbeitet hat. „Ich hab also ein paar in der Schublade“, meint Häßlein mit einem Schmunzeln. Jetzt sieht es nach einem Baukastensystem aus.
Auch für den durch den Durchgang getrennten Bereich habe es schon verschiedene Konzepte gegeben, unter anderem sei ein Umzug von Teilen der Stadtverwaltung oder der Zulassungsstelle angedacht worden. In den aktuellen Plänen geht es vorrangig um die Nutzung des Treppenraums.
In den vergangenen 15 Jahren seien keinerlei energetische Maßnahmen angegangen worden, sagt Häßlein und zeigt auf die Fenster mit Einfachverglasung.
Das größte Problem aber sei die Heizung. „Wenn man unten aufdreht, wird das ganze Gebäude beheizt“, erklärt er: „Es gibt nur eine Zuleitung, einen Abfluss, einen Kreislauf“. Seit Jahren habe man Angst, dass die Heizung den Winter nicht übersteht, beschreibt der Architekt die Situation. Die Lüftungsanlage im zweiten Stock, die für die Veranstaltungen im dortigen Saal unerlässlich ist, sei bereits so weit in Mitleidenschaft gezogen, dass sie nur noch 30 Prozent Leistung bringt. Die Heizzentrale im dritten Obergeschoss sei nicht gedämmt, entsprechend groß seien die Verluste. Eine Gastherme unter dem Dach soll nach Vorschlag des Architekten die Lösung bringen.
Diese ist bereits im ersten Bauabschnitt enthalten. Er umfasst bis zum Jahresende vorrangig die „Ertüchtigung“ des Erdgeschosses. „Über das Büro präsentiert sich die Stadt“, meint der Experte. Bei der Renovierung des Touristikamtes müsse nicht nur auf Funktionalität, sondern auch die Optik geachtet werden. Doch auch die Fenster müssen ersetzt werden. Ein im Übrigen großer Kostenfaktor, wie Häßlein erklärt. Denn der Denkmalschutz stellt Ansprüche an Bauart, Verglasung und Beschläge, ein Fenster schlage so mit rund 1200 Euro zu Buche. „Und 56 haben wir jetzt schon auf der Liste stehen.“
Im ersten Stock geht es vorrangig um Brandschutzmaßnahmen: Neue Zugangstüren und eine ausgelagerte Garderobe sollen die Brandgefahr reduzieren. Aber auch die sanitären Anlagen müssten dringend saniert werden, sagt er. „Bei meinem vorherigen Besuch konnte man von der Damentoilette noch zu den Männern rüberlangen“, erklärt der Architekt ein neu angebrachtes Brett. Da es einen kleinen Küchenbereich geben soll, müssten neben den Besuchertoiletten auch welche für Personal vorgehalten werden.
Neue Zugangstüren wird es auch zum Saal im zweiten Geschoss geben, der eine mobile Trennwand und einen neuen Bodenbelag erhält. Für moderne Bühnentechnik werde es, wie auch in anderen Bereichen, die entsprechenden Anschlüsse geben, geplant ist aber nichts. „Alles ist auf Zweckmäßigkeit ausgelegt, für Luxus bleibt kein Raum“, stellt er klar.

Von Petra Schoplocher