Baustelle Mehrzweckhalle

Gefragt und beliebt

Beilngries (DK) Für Brigitte Frauenknecht ist es ein Auftakt nach Wunsch gewesen. Ganz und gar harmonisch ging in Wiesenhofen die erste von 18 Bürgerversammlungen über die Bühne. Was nicht bedeutet, dass es keine Nachfragen gegeben hätte.

Der Blick aus luftiger Höhe lässt die Dimension der neuen Mehrzweckhalle erahnen. Mit gut acht Millionen Euro Kosten und ihrer Lage am Einfalltor der Stadt ist sie das auffallendste Projekt 2013 und war folglich gesetzter Bestandteil des Berichts von Brigitte Frauenknecht bei der Bürgerversammlung. -
Foto: Schoplocher

Ehe ein Teil der 17 Wiesenhofener Fragen und Anregungen vortrug – aus dem miteingeladenen Kaldorf war niemand gekommen – gab Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht (BL/FW) in rund 50 Minuten einen Überblick über das, was die zum Halbjahr fast 8900 Einwohner zählende Gemeinde bewegt. „Beilngries ist gefragt“, stellte sie ihren Erläuterungen zum begehrten Wohnraum, aber auch der guten Entwicklung bei der Einkommenssteuer voran und wünschte sich, dass diese positive Gesamtentwicklung bei manchen kleineren Problemen nicht vergessen werde.

Finanzen

Der Haushalt 2013 ist ein Sonderfall, da der Vermögenshaushalt ein Volumen von 12,8 Millionen umfasse und damit fast so groß wie der Verwaltungshaushalt (fast 14,8) sei; üblich sei ein Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln oder noch weniger. Das liegt an den immensen Investitionen, die Beilngries heuer tätige, erklärte Brigitte Frauenknecht und verwies unter anderem auf den Bau der Mehrzweckhalle, aber auch Maßnahmen im Bereich Wasser und Abwasser, den Kreisstraßenausbau in Kevenhüll – der die Stadt auch fast 350 000 Euro kosten werde – sowie die Erschließung der Baugebiete. Erfreulich sei der erneute Anstieg bei der Einkommenssteuer auf fast vier Millionen Euro, der Gewerbesteueransatz von 2,7 Millionen sei bereits erreicht. Nachdem ein vorgesehener Kredit wohl nicht abgerufen werde, rechnet sie mit einem Schuldenstand zum Jahresende von rund acht Millionen. „Da kommen wir besser raus als gehofft“, kommentierte sie dies.

Kinderbetreuung

Die Bürgermeisterin machte auf die verschiedenen Möglichkeiten der Kleinkindbetreuung aufmerksam, die über Großtagespflege im Federlhaus und in der Buchbindergasse, Tagesmütter, die Kleinkindgruppe im Franziskuskindergarten oder den anderen Tagesstätten angeboten werden. Die Sanierung des Federlhauses habe die Stadt rund 100 000 Euro gekostet und sei damit die „kostengünstigste Einrichtung in der ganzen Region“. Einen „wahnsinnigen Bedarf“ gebe es auch bei der Mittagsbetreuung für Schulkinder, für die derzeit 75 Buben und Mädchen angemeldet sind. Tendenz: steigend, auch bezüglich der Buchungszeiten.

Breitband

Die Gemeinde wird komplett überplant und gemäß eines Stadtratsbeschlusses soll vor jeder Tiefbaumaßnahme entschieden werden, ob Leerrohre für Glasfaser verlegt werden. Bereits verwirklicht wurde dies in dem sanierten Straßenabschnitt und dem neuen Baugebiet in Kevenhüll sowie „Im Waller“ in Beilngries.
Bauen

Brigitte Frauenknecht wertete die stete Nachfrage nach Bauland als Kompliment. Um ihr Rechnung zu tragen, laufen derzeit die Erschließungsmaßnahmen im Baugebiet Waller, in dem die Stadt 17 Grundstücke hat. Für diese wurden erstmals Vergabekriterien erarbeitet, um einheimischen Interessenten nach sozialen Gesichtspunkten das Bauen zu ermöglichen. In Kottingwörth ist ein (zurückgegebener) Platz frei, weit gediehen ist auch schon Kevenhüll, während in Paulushofen und Wolfsbuch zwar schon die Grundstücke im Eigentum der Stadt seien, aber die Ausweisung noch etwas dauere.

Gewerbegebiet

Auch hier hat die Stadt nach Meinung der Rathauschefin Vorsorge getroffen. Nachdem der Kernort wegen der Hochwassergefahr „nichts hergebe“, habe man in Grampersdorf Flächen erworben und so rund 8,2 Hektar zur Verfügung.

Wasser/Abwasser

„Keiner muss von seinem Weihnachtsgeld etwas einbehalten“, meinte die Bürgermeisterin humorvoll mit Blick auf die Abrechnung für den jüngsten Maßnahmenkatalog an der Abwasseranlage, die mit 1,52 Millionen Euro zu Buche schlägt (Schätzung 1,58). Eventuell könnten die Bürger auch mit einer Rückerstattung rechnen, sagte sie, verwies aber zugleich darauf, dass weitere Investitionen anstünden.
Die Verbesserung der Wasserversorgung habe sich die Stadt über 2,8 Millionen Euro kosten lassen, für die unter anderem Hochbehälter saniert und ein Brunnen gebaut wurde. Im Frühjahr soll die Maßnahme abgeschlossen werden.

Mehrzweckhalle

8,3 Millionen Euro wird die Turnhalle mit Mehrzwecknutzung kosten, informierte Frauenknecht, kalkuliert werde mit einem Zuschuss von rund 5,5 Millionen. Nach Fertigstellung – geplant für Herbst 2014 – werde die aufgeschobene Sanierung der Mittelschule weitergeführt, sagte sie.

Haus des Gastes

Dass der Veranstaltungssaal im ersten Stock den Vorgaben nicht mehr entsprach, nannte Brigitte Frauenknecht als Auslöser für den Stadtratsbeschluss, die Sanierung des Haus des Gastes nach längeren Überlegungen nun kurzfristig anzugehen. Für die ermittelten Kosten von fast 1,4 Millionen Euro rechne die Stadt mit Zuschüssen von 855 000 Euro, verwies die Bürgermeisterin auf eine „wohl einmalige Förderquote“.

Altstadt

Die seit zehn Jahren immer wieder verschobene und 2013 begonnene Sanierung des Strohbauernturms ist laut Rathauschefin nur ein Mosaikstein in der „Zukunftsaufgabe“ Altstadt. Die Rathauschefin sah es als Verpflichtung an, die historische Bausubstanz in der Altstadt zu erhalten.

Windenergie

Brigitte Frauenknecht erklärte die gesetzlichen Vorgaben zu Baurecht und Mindestabständen sowie die Vorgehensweise der Gemeinde. Mittlerweile sei auch die Windpotenzialanalyse eingearbeitet, so dass die ausgewiesenen Konzentrationsflächen noch einmal genau betrachtet würden. Um eine Ausweisung derselben käme die Stadt nicht herum, wenn sie ihre Bürger vor Windrädern in einem Abstand von weniger als 1000 Metern schützen will, unterstrich sie. Angesprochen auf Meldungen, nach denen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einen bürgerfreundlicheren Mindestabstand festlegen will, kommentierte sie mit den Worten, dass „Herr Seehofer schon zwei Chancen ausgelassen hat, an den Vorgaben etwas zu ändern“.

Von Petra Schoplocher