Geschmeidiger Start

Amtmannsdorf (pjs) Die Stimmung ist gelöst. Wenn überhaupt jemand einen Anflug von Nervosität zeigt, dann ist es einer der Kandidaten auf der Stadtratsliste. Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht steht mit Amtmannsdorfern an einem Tisch, man schäkert und stellt fest, dass „ich ja grad erst da war zur Bürgerversammlung“. Einzig ihr fast lebensgroßes Abbild auf einem Transparent hinter ihr verrät auf den ersten Blick die Mission des Abends: Wahlkampfauftakt bei Bürgerliste/Parteiloser Block-Freie Wähler.


Da mutete es zunächst etwas merkwürdig an, als der Freie Wähler-Ortsvorsitzende Rudolf Lobmeier – nachdem er sich über die vielen jugendlichen Gesichter im Saal gefreut hatte – einen „unterhaltsamen Abend“ wünschte. Diesen hatte sich Franz Schmidtner nach eigenen Worten auch vorgestellt: „Ich wollte mal ganz relaxed eine Wahlversammlung besuchen.“ Aber nach dem kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfall von Fraktionsstammtisch Anton Bauer musste dessen Stellvertreter in die Bresche springen und einen Abriss über die Stadtratsarbeit geben. Das tat er auch, aber anders als alle erwartet hatten. Seine Kernaussage, dass sich das Klima in den sechs Jahren unter der Regie von Brigitte Frauenknecht deutlich verbessert habe, schmückte er mit weiteren Führungsqualitäten aus, die die BL/FW-Bürgermeisterin an den Tag legen würde und die „ich ihr zum Teil vorher so gar nicht zugetraut hatte“. Er attestierte ihr Fleiß, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsfähigkeit gepaart mit Charme, was sich zum Beispiel beim Generieren von Zuschüssen ein ums andere Mal sehr positiv zum Wohl der Stadt ausgewirkt hätte. Allein die 100-prozentige Förderung des Hochwasserstegs in Kottingwörth entkräfte das Argument, gute Zuschusssituationen seien an bestimmte Parteien gebunden.


Dass die Stadt, und nicht wie bei der Gymnasiumshalle der Kreis, die Nutzung der neuen Mehrzweckhalle bestimmt, sei ebenso ein Verdienst Frauenknechts. „Wer sich gegen Eichstätt durchsetzt, der hat was drauf“, sagte Schmidtner.


Dass es um die Finanzen der Stadt gut bestellt sei wie nie, unterstrich Vize-Bürgermeister Manfred Thoma, der sich dieses Urteil mit seinem Erfahrungsschatz aus 24 Jahren Stadtratsarbeit erlauben könne. Vor dem Amtsantritt von Brigitte Frauenknecht seien überzogene Haushalte gang und gäbe gewesen, seit sechs Jahren nun gebe es ehrlich aufgestellte Etats und keinen einzigen Tag sei im Gegensatz zu früher der Kassenkredit in Anspruch genommen worden. Als Zeichen sparsamer Haushaltsführung wertete er die Einsparungen von rund 100 000 Euro in den drei dem Stadtoberhaupt zugeordneten Etatposten und 500 000 Euro weniger Aufwendungen für Zins und Tilgung. Auch der Schuldenstand sei niedriger als vor Beginn der BL/FW-Regentschaft „obwohl narrisch viel gemacht wurde“. Noch nie sei so kompetent gewirtschaftet worden, attestierte Thoma und meinte, dass es „völlig falsch sei, jetzt das Pferd zu wechseln“.


Ein Flyer aus dem 2008er Wahlkampf bildete die Grundlage für Brigitte Frauenknechts Rede. „Die Wahlversprechen sind eingehalten worden“, bilanzierte sie und nannte die damaligen Schlagworte Grundsicherung, Infrastruktur, Umwelt und Lebensqualität. Einzig an der Umgehungsstraße hake es, „wegen des Grunderwerbs“. Einer Kläranlage sei es egal, ob sie von einem FW- oder CSU-Bürgermeister saniert werde, sagte sie und wollte damit die Einmütigkeit im Stadtrat unterstreichen. Es habe „sehr wenige heiße Themen“ gegeben. Sie nannte „richtungsweisende“ Entscheidungen zu Bauplatzausweisungen (über 100) ebenso wie die Schaffung von Kleinoden oder die „Pflicht zum Erhalt der Stadttürme“. Für die Zukunft seien viele Projekte schon in Planung, angedacht oder als Visionen vorhanden. Alles in allem sei sie dankbar, dass es „gut gelaufen“ sei, sagte sie. „Ich wünsche mir, dass ich weiter machen kann.“

 

von Petra Schoplocher