Schlange stehen für Anteile DK 01. 02. 2013

Paulushofen (pa) Die Bürger wollen an der Energiewende in der Altmühl-Jura-Region mit gestalten und haben mit 100 Beitritten bei der Gründungsversammlung der Altmühl-Jura Energiegenossenschaft (AJE) gleich ein klares Zeichen gesetzt.

 

Sie stehen an der Spitze der neuen Energiegenossenschaft: Robert Auenhammer (von links), Gido Clarner, Thomas Merkl, Brigitte Frauenknecht, Mike Herbig, Thomas Schmidtner, Albert Meier, Heinz Mischmasch und Siegfried Betz. Nicht auf dem Foto ist Franz Stephan. - Fotos: Patzelt

100 Versammlungsteilnehmer erklärten spontan ihren Beitritt zur neu gegründeten Genossenschaft. Sie zeichneten 514 Anteile, was einer Kapitaleinlage von 128 500 Euro entspricht. Selbst der große Saal eines Paulushofener Landgasthofs reichte nicht aus, um die riesige Menge an Interessenten an der neu zu gründenden AJE aufzunehmen. Der Raum musste durch Öffnen der Trennwand erweitert werden.

„Mit 50 Personen haben wir schon gerechnet, aber das hier ist ja das x-fache”, freute sich die Beilngrieser Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht (BL/FW), der die Versammlungsleitung übertragen worden war. Beilngries hatte beschlossen, sich mit 5000 Euro zu beteiligen, der Dietfurter Stadtrat stellte 10 000 Euro zur Verfügung. Bei der Versammlung wollte auch die Kindinger Bürgermeisterin, Rita Böhm, „ein Zeichen setzen” und investierte 2500 Euro aus dem Stadtsäckel in die AJE.

Den Anstoß für die neu gegründete Genossenschaft hatte die Beilngrieser Interessengemeinschaft für erneuerbare Energien (IGeE) gegeben. Ihr Sprecher, Mike Herbig aus Paulushofen, stellte den Besuchern daher auch die Ziele vor. Die Energiegenossenschaft sieht sich als eigenständige, parteiunabhängige und den Interessen der Mitglieder verpflichtete Gemeinschaft. Ziel sei die aktive Mitgestaltung der Energiewende in der Altmühl-Jura Region.

Es sollen alle Themen der regenerativen Energieerzeugung und Nutzung, insbesondere die Themen Windkraft, Photovoltaikanlagen, Biogasanlagen, Biomasseanlagen, Blockheizkraftwerke, Kraft-Wärme-Koppelung, Nahwärmeversorgung, Speichermedien, Stromnetze, Netzversorgung, Eigenstromverbrauch und Energiesparthemen bearbeitet werden. „Geplant sind regionale Gemeinschaftsprojekte in Form von Bürgeranlagen als Alternative zu Projekten ortsfremder Investoren”, erläuterte Herbig.

Die Organe der Genossenschaft bilden der Vorstand, der Aufsichtsrat und die Generalversammlung. Der Vorstand leitet die Genossenschaft in eigener Verantwortung, der Aufsichtsrat hat den Vorstand bei dessen Geschäftsführung zu überwachen, die Mitglieder üben in der Generalversammlung ihre Rechte in den Angelegenheiten der Genossenschaft aus.

Der Geschäftsanteil beträgt 250 Euro und ist sofort einzuzahlen. Ein Mitglied muss sich mindestens mit einem und kann sich mit bis zu 199 weiteren Geschäftsanteilen beteiligen. Dies entspricht einem Höchstbetrag von 50 000 Euro. Die auf die Geschäftsanteile geleisteten Einzahlungen, zuzüglich sonstiger Gutschriften und abzüglich zur Verlustdeckung abgeschriebener Beträge, bilden das Geschäftsguthaben eines Mitglieds.

Nachdem Thomas Schmidtner die wesentlichen Inhalte der 50 Paragrafen und 23 Seiten umfassende Entwurfssatzung vorgestellt hatte, durfte gezeichnet werden. An den Abgabestellen der Beitrittserklärungen bildeten sich lange Schlangen. Insgesamt ließen sich 100 Personen eintragen. Dies entspricht einer Summe von 514 Anteilen mit einem Gesamtvolumen von 128 500 Euro. Frauenknecht und Schmidtner werteten dies als einen „eindeutigen Vertrauensbeweis” und als „eindeutiges Zeichen, bei der Energiewende aktiv mitzuwirken”. Frauenknecht hofft, dass die neue AJE „zu einem Erfolgsmodell für die gesamte Region” wird.



Gründungsmitglieder