Krippe mit Bilderbuchstart
Beilngries (DK 02.10.13) Es ist politisch höchst umstritten gewesen, nun aber haben die Kleinsten das zur Kinderkrippe umgebaute Federlhaus in Beschlag genommen. Der Nachwuchs hat sich ebenso wie das neue Team schon gut eingewöhnt.

Kleine Hände, kleine Füße: Abdrücke und Fotos sollen demnächst im Eingangsbereich des Federlhauses zeigen, wer zum Spatzennest gehört. Nadja Lämmermeier (von rechts), Natalie Hasenkampf und Patricia Weigel kümmern sich derzeit um die zehn Kinder. - Foto: Schoplocher
Die Neugier kennt keine Grenzen und so stehen drei Steppkes mit großen Augen am Fenster und schauen, wer denn da zu Besuch kommt. Wenig später ist der Gast aber vergessen, denn draußen fährt ein Bagger vorbei. „Es ist schön hier,“ kommentiert das Patricia Weigel, die sich als Tagesmutter vier Tage pro Woche um die acht Kleinen kümmert. Damit meint die Rotherin nicht nur das deckenhohe Fenster. Das „Grün rundum“ und damit kurze Wege in die Natur sind neben der modernen Ausstattung die Vorzüge des Hauses, das die Stadt für erheblich bezuschusste rund 320 000 Euro hatte sanieren lassen.
Davon ahnen Svea, Milana, Nico, Damian, Lukas und Co. freilich nichts. Sie interessieren sich mehr für die Spielsachen in der Ecke, sind aber auch ganz Ohr, wenn Patricia Weigel oder Leiterin Nadja Lämmermeier etwas sagen. Die ist von ihrer neuen Aufgabe begeistert. „Ich kann aus tiefstem Herzen sagen, das ist wirklich mein Traumberuf“, meint die 33-Jährige. Sie muss es wissen, hat sie doch schon in Russland als Lehrerin sowie in einem Kindergarten gearbeitet und sich nach dem Umzug nach Deutschland zur Altenpflegehelferin ausbilden lassen. Außerdem hat sie fünf Kinder, das Jüngste, Milana, darf mit ins Spatzennest. Fast drei Jahre ist Lämmermeier in Beilngries, hier hat sie sich unter dem Dach der Kinderwelt zur Tagesmutter weiterqualifiziert und ist nach der Betreuung von Kindern bei sich zuhause nun seit September im Federlhaus verantwortlich. Belegt war das Gebäude schon seit Juli, als die ehemalige Gruppe aus der Buchbindergasse umgezogen ist. Der offizielle Starttermin aber war im September.
Zehn Kinder zwischen acht Monaten und knapp drei Jahren sind derzeit angemeldet, maximal acht Kleine sind gleichzeitig da und werden von zwei Frauen betreut. Eine kümmert sich dann um die Jüngeren, die andere um die „Großen“, mit denen die Beschäftigungsmöglichkeiten zwangsläufig andere ist. Nachmittags kommt der Verein Kinderwelt als Träger der Einrichtung mit einer Kraft aus – solange weniger als fünf Kinder da sind.
Derzeit verstärkt Natalie Hasenkampf im Zuge ihrer Qualifizierung zur Tagesmutter die Gruppe. Auch sie hat vier eigene Kinder, teils in der „Spatzennest-Zielgruppe“ und ist ebenso ganz begeistert vom Alltag mit den Kleinen. Es falle gar nicht auf, dass es sich „um Arbeit“ handele, betonen Hasenkampf und Lämmermeier.
Mittlerweile ist das Team im Spatzennest auch komplett: Mit Roswitha Trost wird eine weitere Tagesmutter den Tag im Einsatz sein, den Patricia Weigel frei hat. „Chefin“ Nadja Lämmermeier ist fünf Tage die Woche da, an denen die Kleinen zwischen 7.30 und 17 Uhr gebracht und geholt werden dürfen. Die Buchungszeiten, für die sich die Eltern entscheiden, sind ebenso individuell wie deren Motivation. So nutzten Berufstätige das Angebot, aber auch der Wunsch, dass der Spross unter andere Kinder kommt, spiele eine Rolle, erklären die erfahrenen Tagesmütter. Diese legen trotz des Kommens und Gehens Wert auf einen strukturierten Tagesablauf und Gemeinsamkeit wie Essen, Morgenkreis und Spielzeiten. Auch ein Mittagsschlaf gehört dazu. „Wenn man selbst zur Ruhe kommt, schlafen auch die Kleinen ein“, weiß Patricia Weigel. „Das klappt gut“, sagt sie. Wie ohnehin alles „wie am Schnürchen“ funktioniere, meinen die drei Frauen unisono. Trotz der vielen Tätigkeiten und der steten Präsenz „kommen wir sogar dazu, selber zu kochen“, fügt Nadja Lämmermeier nicht ohne Stolz an. Auch die Resonanz von Seiten der Eltern sei positiv, ergänzt sie.
Wohl auch, weil sich das Team das Vorwort im Konzept für interessierte Eltern zu Herzen nimmt. „Das Wichtigste ist, Ihr Kind jeden Tag aufs Neue liebevoll zu betreuen“, heißt es da.
 
Von Petra Schoplocher